Bigge. Mehr Platz für Lernen und Leben, eine Verknüpfung von Unterricht und Offener Ganztagsschule (OGS) und ebenso die Modernisierung eines in die Jahre gekommenen Schulgebäudes: Das ist das Ziel der geplanten Sanierung und Erweiterung der St.-Martinus-Grundschule Bigge. Die Mitglieder des Ausschusses Planen und Bauen befassten sich jetzt mit einem ersten Vorentwurf des Projektes. Allerdings: Es zeichnet sich ab, dass die geschätzten Kosten die geplanten Haushaltsansätze spürbar übersteigen könnten.
Nils Schäfer, Architekt und Fachingenieur Holzbau, präsentierte dem Ausschuss seinen Vorentwurf. Ein zentrales Element: Haupteingangsbereich und Erweiterungsbau werden um jeweils ein Geschoss auf zwei bzw. drei Etagen aufgestockt – „zwei komplette Etagen aufzusetzen birgt einige Herausforderungen“, so Nils Schäfer. Umgesetzt werden soll die Aufstockung in Holztafelbauweise mit Brettstapeldecken. Zudem werde die Schule mit einem Wärmedämmverbundsystem „energetisch eingepackt“. Im Schulgebäude selbst soll es mehr Transparenz und Verbindungen zwischen den Räumen geben, um auf diese Weise eine multifunktionale Nutzung für Unterricht und OGS zu ermöglichen.
Beheizt werden soll der Erweiterungsbau durch eine Fußbodenheizung, die an eine Luft-Wärmepumpe gekoppelt ist. Für die Spitzenbedarfe sind zwei Gaskessel geplant. Nils Schäfer machte deutlich, dass es noch viele Variable gibt – sollte zum Beispiel in der Umsetzung auf die Wärmedämmung verzichtet werden, müsste man die Heizung größer dimensionieren. Ebenso in den Planungen enthalten ist die technische Sanierung des Gebäudes. Dabei gelte, dass es sich um „sinnvolle Mindeststandards“ handele, verdeutlichte Nils Schäfer: „Es ist kein Luxus.“
Doch auch das hat seinen Preis: Auf knapp 6,8 Mio. Euro beläuft sich die Kostenschätzung auf Basis des Vorentwurfs für den baulichen Teil der Schulerweiterung. Hinzu kommen noch die Kosten für die Neugestaltung des Schulhofs und die Ausstattung des Schulgebäudes mit insgesamt 800.000 Euro. Sowohl Architekt Schäfer wie auch Hubertus Schulte, Leiter des Fachbereichs Bauen und Stadtentwicklung, machten deutlich, dass auf Basis dieses Planungsstandes immer noch Abweichungen von bis zu 30 Prozent möglich seien. Sollten diese in Richtung „oben“ ausfallen, würden die Gesamtkosten sogar bis zu 9,8 Mio. Euro betragen können. Problem: In den städtischen Finanz-Planungen für 2026 und die Folgejahre sind lediglich 5,85 Mio. Euro für das Projekt eingeplant – plus rund 860.000 Euro, die als Fördermittel fließen könnten.
Um die tatsächlichen Kosten besser eingrenzen zu können, müssten die Planungen weiter verfeinert werden: Aus dem bisherigen Vorentwurf müsste eine so genannte Entwurfsplanung werden – mit detaillierten Plänen und einer Kostenberechnung. So war es denn auch der Vorschlag der Stadtverwaltung, in die dafür nötige „Leistungsphase 3“ des Projektes einzutreten – Hubertus Schulte: „Die Entscheidung, ob gebaut wird oder nicht, ist damit noch nicht gefallen.“
Dennoch gebe es die zwingende Notwendigkeit, an dem Gebäude tätig zu werden, betonte Jeannette Friedrich (CDU): Die – derzeit ausgelagerte – OGS müsse dort untergebracht werden, zudem habe man einen Sanierungsstau. SPD/Linke-Fraktionschef Helmut Kreutzmann mahnte an, die Kosten nicht aus dem Blick zu verlieren: „Es ist nicht das einzige Projekt, das wir finanzieren müssen.“ SPD/Linke-Ausschussmitglied Hubert Wegener fragte, was denn ein kompletter Neubau kosten würde. Genau sei das ohne Planung kaum zu beziffern, betonte Architekt Schäfer: „Aber es wird mehr sein.“ Zudem sei die Bausubstanz des jetzigen Gebäudes zu gut, als dass man es abreißen müsste.
Bürgermeister Patrick Potthoff unterstrich, dass die grundsätzlichen Überlegungen schon früher angestellt worden seien – und sich Ausschuss sowie Rat für den aktuellen Weg entschieden habe. Entsprechend seien auch schon Finanzmittel für Planungen und erste bauliche Maßnahmen geflossen – Patrick Potthoff: „Wenn wir jetzt einen Stopp machen, wäre dieses Geld weg – und wir hätten noch keine Planungsbasis.“ Der Bürgermeister warb daher dafür, in die nächste Leistungsphase einzutreten – und damit im kommenden Jahr auch die Basis für einen Förderantrag zu schaffen.
Dem folgte auch die Mehrheit der Ausschussmitglieder: Mit zehn Ja-Stimmen bei jeweils drei Nein-Stimmen und Enthaltungen beschloss der Ausschuss Planen und Bauen, für Sanierung und Erweiterung der St.-Martinus-Grundschule die Entwurfsplanung inklusive Kostenberechnung erstellen zu lassen.