Olsberg. Die Stadt Olsberg will ihre Fahrzeuge künftig klimafreundlicher betanken: Am Baubetriebshof soll eine eigene Tankanlage für HVO 100 entstehen. Der alternative Kraftstoff kann künftig von den Fahrzeugen des Baubetriebshofs und – nach entsprechender Freigabe – auch von der Freiwilligen Feuerwehr genutzt werden. Über die Pläne informierte Bauhofleiter Bernd Pape den Ausschuss Planen und Bauen.
HVO 100 wird aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt und durch eine Wasserstoffbehandlung zu einem Kraftstoff aufbereitet, der laut Herstellerfreigaben in den dafür zugelassenen Dieselmotoren ohne technische Anpassungen eingesetzt werden kann. Der Kraftstoff entspricht der DIN EN 15940 und ist mit herkömmlichem Diesel mischbar.
Für den Bauhof Olsberg liegen nach einer Abfrage bei den Fahrzeugherstellern bereits entsprechende Freigaben für alle Fahrzeuge vor. Auch bei Feuerwehrfahrzeugen und dieselbetriebenen Notstromaggregaten wäre ein Einsatz grundsätzlich möglich, sofern die jeweiligen Hersteller dies freigeben.
Dass HVO 100 im kommunalen und praktischen Einsatz funktioniert, zeigen Erfahrungen aus der Region. Der Landesbetrieb Straßen.NRW führt seit 2024 einen Langzeitversuch am Stützpunkt Winterberg durch. Die Stadt Winterberg hat ihre Fahrzeuge inzwischen ebenfalls auf HVO 100 umgestellt. Auch die Gemeinde Eslohe setzt seit diesem Sommer auf den alternativen Kraftstoff.
Für die Stadt Olsberg bietet HVO 100 dabei einen weiteren praktischen Vorteil: Der Kraftstoff ist bis mindestens sieben Jahre lagerstabil und laut vorgelegten Informationen bis minus 34 Grad Celsius kältestabil. Bei entsprechend freigegebenen Fahrzeugen könnte zudem auf den saisonalen Wechsel zwischen Sommer- und Winterdiesel verzichtet werden.
Auch beim Verbrauch kommt einiges zusammen. Der Bauhof benötigt nach den vorgelegten Zahlen rund 3.000 Liter Kraftstoff im Monat, die Feuerwehr weitere rund 750 Liter. Insgesamt ergibt sich damit ein Jahresverbrauch von etwa 45.000 Litern. Bei einer direkten Abnahme wird für HVO 100 mit einem Preisvorteil von rund 20 Cent je Liter gegenüber Diesel gerechnet. Daraus ergibt sich ein mögliches Einsparpotenzial von etwa 9.000 Euro pro Jahr.
Die geplante Tankanlage einschließlich Installation und Mehrwertsteuer wird mit rund 43.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen etwa 500 Euro jährlich für Wartung und Pflege. Nach den vorgelegten Berechnungen könnte sich die Investition damit innerhalb von rund fünf Jahren amortisieren.
Neben dem wirtschaftlichen Aspekt steht die Reduzierung der CO₂-Emissionen im Mittelpunkt. Nach den Angaben in der Ausschusspräsentation kann HVO 100 den Ausstoß des schädlichen Klimagases gegenüber fossilem Diesel um bis zu 80 Prozent reduzieren. Durch die geringeren Ruß- und Partikelemissionen kann zudem die Belastung der Dieselpartikelfilter sinken.
Geplant ist außerdem, an der Tankanlage einen Notvorrat von rund 4.000 Litern vorzuhalten. Damit könnte die Stadt bei Bedarf auf einen eigenen Kraftstoffvorrat zurückgreifen.
Mit der geplanten HVO-Tankstelle will die Stadt Olsberg damit mehrere Ziele miteinander verbinden: den CO₂-Ausstoß der kommunalen Fahrzeugflotte reduzieren, die vorhandene Technik weitgehend weiter nutzen und zugleich die laufenden Kraftstoffkosten im Blick behalten.