Kindergarten Wiemeringhausen wird 50 Jahre alt; Einrichtung ist seit Juli 2000 als Montessori-Kinderhaus anerkannt

Kinder beim Spielen nach Montessori
Maria Montessori entwickelte ihr Lernmaterial erstmals vor über 100 Jahren. Heute ist es noch genauso aktuell wie damals. Im Kindergarten in Wiemeringhausen werden Kinder damit gefördert. Foto: Mario Polzer
Der Städtische Montessori-Kindergarten in Olsberg-Wiemeringhausen feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Am 1. April 1969 wurde die Einrichtung eröffnet. Seit dem 27. Juli 2000 ist sie als Montessori-Kinderhaus anerkannt. Gefeiert wird am Sonntag, dem 8. September. Dann lädt der Kindergarten alle Kinder und Eltern, Ehemaligen und Interessierten zu einem Geburtstagsfest ein.

Rund 720 Kinder haben den Kindergarten seit seiner Gründung besucht. Das haben die Leiterin Simone Reineke und ihre Vorgängerin Anne Cramer zusammengerechnet. Heute bietet die Einrichtung Platz für 35 Kinder im Alter von 1 Jahr bis zur Einschulung. Vor allem zwei Dinge sind es, die den Kindergarten in Wiemeringhausen besonders machen: seine zentrale Lage mitten im Dorf und die Anerkennung als Montessori-Kinderhaus.

Das große, vor 50 Jahren eigens errichtete und dem Stil eines Bauernhauses nachempfundene Gebäude und das parkähnliche Außengelände prägen das Ortsbild. Direkt nebenan liegt der Dorfplatz, gegenüber die Pfarrkirche. Ebenfalls gegenüber, auf der anderen Seite, war früher die örtliche Grundschule, bis diese 2014 schließen musste. "Kurze Wege zum Kindergarten und zur Schule – das war damals die Idee, als die Kinder noch hauptsächlich aus dem Ort kamen", sagt die Leiterin Simone Reineke. Inzwischen bringen Eltern ihre Kinder auch von weiter her nach Wiemeringhausen. Unter anderem aus dem Raum Winterberg – Medebach. "Das dürfte vor allem am guten Ruf liegen, den sich die Einrichtung in den vergangenen 19 Jahren als Montessori-Kinderhaus erworben hat", sagt Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer, der bereits seine Teilnahme an der Jubiläumsfeier zugesagt hat. "Wir freuen uns, dass unsere Einrichtung mit diesem Alleinstellungsmerkmal über unsere Stadtgrenzen hinaus für Kinder und ihre Eltern attraktiv ist."

Der Weg zur Montessori-Pädagogik ist eng mit dem Namen Anne Cramer verbunden. Sie leitete den Kindergarten 43 Jahre lang, von 1973 bis 2016. "Sie hat sich schon in den 1980er-Jahren für die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund engagiert", weiß Ortsvorsteher Talat Durguter. "Sie hat ehrenamtliche Hausaufgabenbetreuung organisiert, als noch kein Kindergarten und keine Grundschule nachmittags geöffnet waren, und Feste multikulturell gestaltet."

Anne Cramer erinnert sich, dass sie auf der Suche nach Fördermöglichkeiten für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch war, Mitte der 1990er-Jahre auf die Montessori-Pädagogik stieß: "Das gesamte Lernmaterial von Maria Montessori kann man ohne Sprache anwenden. Und es gibt besondere Sprachmaterialien. Mit Hilfe dieser Materialien konnten die Kinder gut Deutsch lernen. Der nächste logische Schritt war, dass alle Erzieherinnen das Montessori-Diplom gemacht haben."

Ebenfalls im Jahr 2000 gründeten engagierte Eltern und Erzieherinnen den Montessori-Verein als Förderverein. Seitdem kann der Kindergarten viele Angebote machen, die aus diesem Topf finanziert oder unterstützt werden. Zum Beispiel Malkurse, das Eltern-Kind-Turnen, Tanzkurse oder Workshops für Eltern. Viele seiner Montessori-Materialien verdankt der Kindergarten dem Förderverein, ebenso die günstigen Kosten für das Mittagessen der Kinder und Zuschüsse für die Montessori-Diplomkurse der Erzieherinnen. "Der Verein unterstützt uns, wenn wir mit unserem Budget an Grenzen stoßen", sagt Simone Reineke. Anne Cramer rief auch das Angebot "Living English" ins Leben – einen Englischkurs, der die Kinder gut auf den Unterricht in der Grundschule vorbereitet und ihnen viel Spaß macht.

Vor drei Jahren ging Anne Cramer in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin Simone Reineke konnte voll durchstarten: Die Stadt Olsberg als Träger des Kindergartens richtete für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren neue Räume her. Das Obergeschoss des Gebäudes wurde dafür aufwendig renoviert. Das Außengelände wurde neu gestaltet und mit neuen Spielgeräten aufgewertet. "Als Dorfgemeinschaft freuen wir uns, dass auf Anne Cramer wieder eine so aktive Leiterin folgte," sagt Ortsvorsteher Talat Durguter. Auch die inzwischen schon nicht mehr ganz so neue Leiterin des Kindergartens ist eine begeisterte Anhängerin der Montessori-Pädagogik. "Maria Montessori ist eine beeindruckende, unkonventionelle Person, die ihre eigenen Wege gegangen ist und unheimlich gut beobachtet hat", sagt Simone Reineke. "Ihre Pädagogik ist eine durchdachte und sehr liebevolle Pädagogik. Wir lernen ohne Druck, ohne richtig und falsch. Und – ja, das geht – wir lernen lachend."

Dem Kindergarten und dem Montessori-Verein ist es ein Anliegen, sich aktiv in das Dorfgeschehen einzubringen. Sie gestalten unter anderem den Martinszug und den Kolping-Seniorennachmittag mit und beteiligen sich mit Aktionen am alljährlichen Sommerferien-Programm der Dorfgemeinschaft. Gerne stellt der Kindergarten sein Außengelände für dorfgemeinschaftliche Aktivitäten zur Verfügung, zum Beispiel beim Langenberg-Mountainbike-Marathon. Ebenso gerne nutzen die Kinder und Erzieherinnen die Unterstützung der Menschen im Ort, zum Beispiel, wenn sie bei den alljährlichen Waldtagen die Hegeringhütte am Iberg kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.

Für Anne Cramer ist das Alter der Kinder eine der größten Veränderungen im Vergleich zu den Anfangsjahren: "In den 1970er-Jahren waren die Kinder zum Teil schon fünf Jahre alt, wenn sie zu uns kamen", erinnert sie sich. "Zur damaligen Zeit waren die meisten Mütter zu Hause. Die Väter gingen arbeiten. Heute gehen auch die Frauen selbstverständlich arbeiten. Die Wirtschaft braucht sie. Die Eltern möchten ihre Kinder dann gut betreut wissen." Simone Reineke freut sich, dass sich in Wiemeringhausen der Begriff Kindertagesstätte nicht durchgesetzt hat: "Diesen Begriff habe ich lange benutzt. Für unsere Einrichtung finde ich ihn aber zu technisch. 'Kindergarten' beinhaltet das Wachsen und Gedeihen in Ruhe, aber auch das Hegen und Pflegen. Der Begriff 'Kindergarten' beschreibt wunderbar unsere Arbeit."

Den Termin für die Feier des 50-jährigen Jubiläums sollten sich alle Interessierten schon jetzt notieren: Gefeiert wird am Sonntag, dem 8. September, ab 15 Uhr, am und im Kindergarten in Wiemeringhausen, Präsident-Keil-Platz 1. Weitere Informationen gibt es auch im Internet auf www.mowie.org.
 
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