Olsberg und Brilon: Ideen für Zukunft der medizinischen Versorgung nehmen Form an

Olsberg/Brilon. Im Schulterschluss, um Akzente für die Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region zu setzen: Gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten aus Brilon und Olsberg sowie den Chefärzten des Städtischen Krankenhauses Maria Hilf Brilon trafen sich jetzt Vertreter der Städte Brilon und Olsberg, um über Chancen und Möglichkeiten zu diskutieren.

Hintergrund: Mit dem gemeinsamen Projekt "Ärztegewinnung - Anwerben von Ärzten und medizinischem Fachpersonal", welches vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Förderprogramms Land(auf)Schwung gefördert wird, untersuchen die Städte Brilon und Olsberg aktuell, wie die Kommunen die medizinische Versorgung vor Ort auch künftig unterstützen können. Zur 2. Plenumsveranstaltung begrüßte jetzt Bürgermeister Wolfgang Fischer die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Ratssaal der Stadt Olsberg.

Ein positives Beispiel für eine Niederlassung in der Region ist die Sauerlandpraxis in Medebach. Hier gibt es schon lange keine Probleme mehr, junge Mediziner vom Landleben zu überzeugen. Der Allgemeinmediziner Tim-Henning Förster übernahm die Praxis vor einigen Jahren von seinem Vater. Schnell hatte er einen Studienkollegen davon überzeugen können, in die Praxis mit einzusteigen. Ab da ging es fast wie von selbst. "Es ist viel Eigeninitiative erforderlich, um die jungen Ärzte für die eigene Praxis zu gewinnen. Aber auch der Umstand, dass wir in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten, überzeugt die jungen Ärztinnen und Ärzte", so Tim-Henning Förster, "der Erfahrungsaustausch untereinander und die Möglichkeit, kurzfristige Ausfälle zu kompensieren, ist für viele ein Grund, sich in einer Gemeinschaftspraxis hausärztlich niederzulassen." Viel Unterstützung bekommt er mit seinen Kollegen auch von seinen medizinischen Fachangestellten und so genannten "EVAs". Die Abkürzung steht für "Entlastende Versorgungsassistentinnen", die teilweise die Hausbesuche abnehmen und die ersten medizinischen Untersuchungen durchführen.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) bietet Unterstützung an. Ansgar von der Osten ist dort Geschäftsbereichsleiter für Sicherstellung und Beratung. Er informierte über Änderungen im so genannten Terminservice- und Versorgungsgesetz. Gesetzlich Versicherten soll es so möglich werden, schneller Arzttermine zu bekommen. Auch auf die Bedarfsplanung in einigen Fachbereichen werde dies Auswirkungen haben, so Ansgar von der Osten. Diese werden sich besonders im Hochsauerlandkreis bemerkbar machen. Weiterhin stellte er die Fördermöglichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigung und des Landes NRW vor, die im hausärztlichen Bereich bestehen. Hierbei werden verschiedene Ansätze berücksichtigt. Förderungen gibt es zum Beispiel für Weiterbildungsassistenten und Praxisgründungen.

Ein Weiterbildungsverbund ist auch ein Wunsch, den einige niedergelassene Ärzte formulierten. Stefan Rohpeter von der Unternehmensberatung Valetudo, welche die beiden Kommunen in ihrem Projekt begleitet, erläuterte, welche Vorteile ein solcher Verbund mit sich bringt und wieso gerade das auch junge Mediziner ins Sauerland locken könnte. Dr. Hans Heiner Decker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Arnsberg, unterstrich, dass hier die Zusammenarbeit untereinander entscheidend für den Erfolg ist. Einig waren sich alle Anwesenden, dass ein Weiterbildungsverbund allen Beteiligten echte Vorteile bringen kann.

Kümmerer, Partnerprogramm, Weiterbildungsverbund und Kerngruppe sind nur einige Maßnahmen, die die Beteiligten im Rahmen des Projektes bereits angestoßen haben. "Sie sollen erste Ansätze sein, wie man junge Ärztinnen und Ärzte für die Region Brilon und Olsberg gewinnen kann", so Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer. Diese Maßnahmen sollen - selbstverständlich - auch über das Projektende hinaus bestehen und weiter ausgebaut werden. So möchte man auch die Kerngruppe, die aus vier niedergelassenen Ärzten, Vertretern der Krankenhäuser und der Kommunen bestehen soll, institutionalisieren.

Für alle Projektteilnehmer ist klar: Die Zeiten haben sich geändert - eine Einzelpraxis ist für viele junge Mediziner nicht mehr vorstellbar. Sie wollen geregelte Arbeitszeiten und eventuell auch mal in Teilzeit arbeiten. Dazu sind größere Einheiten nötig. Dr. Christof Bartsch, Bürgermeister der Stadt Brilon: "Wie diese in Brilon und Olsberg aussehen werden, kann heute keiner sagen. Aber dass man Sie benötigt, wissen alle."
 
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