"Den demografischen Wandel aktiv gestalten" Netzwerk für Menschen mit und ohne Behinderung - Projektpartner ziehen nach zwei Jahren Bilanz

"Den demografischen Wandel aktiv gestalten" Netzwerk für Menschen mit und ohne Behinderung - Projektpartner ziehen nach zwei Jahren Bilanz

Presseinfo der Stadt Olsberg und des Josefsheims Bigge

Menschen am Übergang von der Arbeit in den Ruhestand: Für sie ändert sich vieles im Leben. Der Beruf fällt weg, die Kinder sind aus dem Haus. Neue, sinnvolle Beschäftigungen müssen gefunden werden. Das betrifft Menschen ohne genauso wie Menschen mit Behinderung. In Olsberg haben die Stadt und das Josefsheim Bigge deshalb vor gut zweieinhalb Jahren ein Projekt auf den Weg gebracht, das europaweit einmalig ist: Menschen mit und ohne Behinderung bereiten sich gemeinsam auf den Ruhestand vor.

Jetzt, nach zwei Jahren gemeinsamer Aktivitäten, ziehen sich die beiden Moderatoren der Stadt Olsberg und des Josefsheims zurück. Die Gruppe der älteren Menschen wird selbstständig. Symbolisch bekam sie am vergangenen Mittwoch (1. Juni) den Schlüssel für das Pfarrheim St. Martin Bigge überreicht, wo regelmäßig die Gruppentreffen stattfinden.

Als die Projektpartner vor zweieinhalb Jahren das Konzept ihres Vorhabens erarbeiteten, war die Ausgangslage bei beiden ähnlich. „Der demografische Wandel trifft ländliche Regionen wie das Sauerland besonders hart", weiß Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer. Studien zeigen: Schon im Jahr 2025, also in weniger als 15 Jahren, wird die Zahl der Menschen über 80 Jahren um 70 Prozent zugenommen haben. Dem stehen immer weniger junge Menschen gegenüber - ein Problem, das durch die Abwanderung des Nachwuchses in die Städte verschärft wird.

„Menschen mit Behinderung im Rentenalter werden zukünftig eine große politische und gesellschaftliche Herausforderung darstellen", sagt Hubert Vornholt, Geschäftsführer des Josefsheims Bigge. Das Josefsheim ist ein Dienstleister für mehr als 750 Menschen mit Körper-, Lern- und Sinnesbehinderungen. Schon heute haben in Deutschland elf Prozent der Menschen mit Behinderung diese Lebensphase erreicht. In wenigen Jahren werden es rund 50 Prozent sein. „Derzeit gibt es für diese wachsende Zielgruppe aber nur wenige zukunftsfähige Konzepte", so Vornholt.

Wer sich dem demografischen Wandel stellen, ihn im besten Fall aktiv gestalten will, braucht kreative Lösungen. Das gemeinsame Projekt der Stadt Olsberg und des Josefsheims mit dem Titel „Gemeinsam älter werden in Olsberg" ist eine solche. Als dritter Partner ist die ZWAR Zentralstelle NRW dabei. ZWAR ist die Abkürzung für „Zwischen Arbeit und Ruhestand". Die ZWAR Zentralstelle mit Sitz in Dortmund hat bereits mehr als 130 Netzwerke älterer Menschen in 50 Städten Nordrhein-Westfalens erfolgreich auf den Weg gebracht. „Das Alter ist heute ein aktiver Lebensabschnitt", sagt Paul Stanjek, Fachberater bei der ZWAR Zentralstelle. „Mit dem Olsberger Netzwerk für Menschen mit und ohne Behinderung haben auch wir Neuland betreten. Erfolgreich, wie ich heute sagen kann."

Zwei Jahre lang wurde die Olsberger ZWAR-Gruppe von Tanja Schnellenpfeil, Projektleiterin im Josefsheim, und Norbert Märtin, Fachbereichsleiter Soziales der Stadt Olsberg, begleitet. Planmäßig ziehen sich die beiden Moderatoren jetzt zurück. Der ZWAR-Gruppe gehören rund 40 Teilnehmer an, die sich in verschiedenen Interessengruppen zu gemeinsamen Aktivitäten treffen.

Die Teilnehmer mit und ohne Behinderung begegnen sich dabei auf Augenhöhe", berichtet Josefsheim-Geschäftsführer Hubert Vornholt. Eine besondere Auszeichnung war für ihn der Innovationspreis der European Platform for Rehabilitation (EPR), den das Josefsheim 2009 für das Projekt „Gemeinsam älter werden in Olsberg" entgegen nehmen konnte. Die EPR ist ein Zusammenschluss führender Sozialunternehmen aus 17 europäischen Ländern. „Der Preis bestätigt uns darin, mit unserem Konzept auf dem richtigen Weg zu sein, und motiviert uns, unsere Angebote für ältere Menschen mit Behinderung auszubauen und zu verbessern", so Vornholt. Für ZWAR-Fachberater Paul Stanjek ist das Olsberger Netzwerk ein Gewinn. „Wir konnten unsere Kompetenz damit um die Gruppe der Menschen mit Behinderung erweitern."

Auch Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer zieht beim Übergang der ZWAR-Gruppe in die Selbstständigkeit eine positive Bilanz. „Wir haben in Olsberg nicht nur ein zusätzliches Angebot für Menschen ab 50 geschaffen. Wir haben mit diesem Projekt auch die Chance genutzt, uns den Herausforderungen des demografischen Wandels aktiv zu stellen."

Die nun selbstständige Olsberger ZWAR-Gruppe ist weiterhin offen für neue Teilnehmer. Das nächste Treffen findet statt am Mittwoch, dem 15. Juni, ab 17.30 Uhr im Pfarrheim St. Martin Bigge. Interessierte sind willkommen.

 
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